Bücherknabbern

Ich hab da mal ‘ne Frage…

27. Januar 2010 · 11 Kommentare

Zur Abwechslung keine Rezension, sondern eine Frage zu eurem Leseverhalten. Anstoß dazu war eine Frau, die mir heute in der S-Bahn gegenübersaß und die letzten Seiten ihres Buches laß. Dabei schüttelte sie ständig den Kopf. Irgendwann hatte sie es dann aus und griff sofort in den Rucksack zum nächsten. Wo ist da bitte die Reflexion vom gerade gelesenen? Zumal sie das Ende ja beschäftigt hat, sonst hätte sie ja nicht einen auf Wackeldackel gemacht.

Wenn ich ein Buch ausgelesen habe, fange ich an dem Tag kein neues mehr an. Ich muss nämlich erstmal nachdenken. Es ist sogar schon vorgekommen, dass ich mehrere Tage lang kein neues Buch anfangen konnte, weil ich in so eine Art Loch gefallen bin. Aber ich weiß von mir, dass ich immer zu viel Nachdenke und manchmal somit Buch oder Film “kaputt” denke.

Was sagt ihr?

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Jim Grimsley – Dreamboy (1)

26. Januar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Nathan wartet an seinem Fenster, in einer Falte des Vorhangs verborgen. Der kräftige gelbe Streifen Licht aus Roys Zimmer ergießt sich über die Hecke, und Roys Schatten bewegt sich mal hierin, mal dorthin, es gibt eine lange, aufreizende Pause, dann stellt sich auch Roy ans Fenster. Er leuchtet in dem warmen Rechteck aus Glas. Schließlich winkt er Nathan zu und verschwindet.

Nathan bleibt noch etwas am Fenster stehen, außer Atem und benommen, und die Erinnerung an den Abend hüllt ihn in Geborgenheit.

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Nachdem ich die gleichnamige Verfilmung von Regisseur James Bolton gesehen hatte, war mir klar, dass ich unbedingt die Buchvorlage lesen musste, um herauszufinden, wie das wirklich war. Ein bisschen erstaunt und enttäuscht stelle ich fest: Der Film schafft es unglaublicherweise, die Stimmung des Buchs 1:1 umzusetzen. Eigentlich eine Glanzleistung… wenn ich nicht bei beiden – Buch und Film – über eine gewisse Herangehensweise stolpern würde.

Die Geschichte um die ganz besondere Beziehung zwischen den beiden Teenagerjungs Nathan und Roy verspricht viel Poesie, geheimnisvollen Zauber und Sensibilität. Zwar habe ich erst das erste Drittel des Buches hinter mir, kann aber trotzdem sagen, dass mir die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden zu schnell und irgendwie zu plump geschildert vorkommt. Identifikation mit den beiden Protagonisten und Mitfühlen gelingt dadurch nur schwerlich. Beeindruckend ist wiederum die stetig aufgeladene Stimmung, die mich sowohl als Zuschauerin als auch als Leserin nicht kalt lässt. Autor Jim Grimsley, der für dieses Werk den ALA Gay-Lesbian-Bisexual-Book Award verliehen bekam, schreibt in einem ganz eigentümlichen Stil, den ich noch nicht bewerten mag. Dafür gebe ich den nächsten Seite bis zum Ende hin noch Zeit.

Stand: S. 40


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Darum – Daniel Glattauer

2. Januar 2010 · 4 Kommentare

Endlich, endlich fertig mit einem Buch, von dem ich mir viel versprach. Ich sollte enttäuscht werden.

Ich nahm mir “Darum” aus dem Buchladen mit, weil ich total begeistert von Daniel Glattauers “Gut gegen Nordwind” war und mir dachte: “Na, wenn das so gut war, kann dieses Buch hier ja nicht verkehrt sein.”

Ein Journalist begeht einen Mord, aber keiner will ihm glauben. Seine Journalistenfreunde sind genauso entsetzt wie ein breites Publikum außerhalb der Gefängnismauern, hinter die Jan Haigerer dann doch erstmal gesteckt wird.
Er hat einen ihm völlig unbekannten einfach so in einem Lokal erschossen. Doch als angesehener Journalist und Gerichtsreporter mag ihm das so recht keiner abkaufen. Der Prozess beginnt, Haigerer fühlt sich immer wohler hinter den Gefängnismauern und will für den Mord büßen, der Prozess jedoch macht ihm gesundheitlich zu schaffen; die hübsche Staatsanwältin hat ihm den Kopf verdreht.

Das überraschende Ende ist wieder einmal gelungen, wie ich finde, doch die Geschichte an sich ist ziemlich anstrengend und nervig. Anfangs hatte ich beim Lesen das Gefühl, der Autor lobt sich dauernd selbst, wenn er Floskeln, die Haigerer in seinem Journalistendeutsch nie verwenden würde, hervorbringt.  So tauchen Sätze wie: Das würde nur in einem schlechten Kriminalroman stehen, desöfteren in abgewandelter Form auf und machen die Geschichte meiner Meinung nach unsympatisch und unglaubwürdig. Mit Jan Haigerer konnte ich mich auch nicht identifizieren, ich fand ihn ebenso unsympatisch und obwohl das Endean sich gut war,  habe ich kein Mitgefühl für ihn empfunden. Über den Schluss an sich könnte man hingegen in Diskussionen über Recht und Unrecht ausbrechen. Das wäre was feines für den Deutschunterricht.

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Die spannendsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien – diverse Autoren

20. Dezember 2009 · 2 Kommentare

In diesem Buch voller krimineller Kurzgeschichten vereinen sich unter anderem Henning Mankell, Leena Lehtolainen, Unni Lindell, Anna Jansson, Ake Ewardson, Jorn Riel, Per Helge Sorensen, Arne Dahl, Leif Davidsen, Viktor Arnar Ingolfson sowie Jostein Gaarder. Wer glaubt, in diesen Geschichten geht es nur um Mord und Totschlag, der liegt falsch. Die Palette der möglichen Verbrechen ist breit und manchmal liegt es in der Phantasie des Lesers zu entschieden, ob man von einem reden kann. Die Untatenvielfalt reicht vom gestohlenen Weihnachtsbaum über den  Bankraub bis hin zu dem fehlgeschlagenen Supermarktüberfall mit Geiselnahme in Mankells “Der Mann mit der Maske”. Diese Kurzgeschichte erschien schon in Mankells Buch “Wallanders erster Fall”.

Das Buch eignet sich hervorragend zum Stöbern zwischendurch. Die Geschichten sind spannend (der Titel hällt also Wort) und lesen sich so weg. Kaufempfehlung für Leute mit wenig Zeit, die auf kruzweilige Lesevergnügen stehen.

→ 2 KommentareKategorien: F · Hakan Nesser · Henning Mankell · Krimi · Skandinavische Krimis · Weihnachten

Sir Arthur Conan Doyle “When the World Screamed”

11. Dezember 2009 · 1 Kommentar

Vielen ist Conan Doyle als Erschaffer des weltberühmten Detektives Sherlock Holmes bekannt. Aber nur wenige wissen, dass der Engländer auch Reiseberichte und Science Fiction – Romane geschrieben hat. Letztere handeln vom Professor Challenger, einem recht unsympathischen aber bisweilen genialen Geist.

Was wäre, wenn die Erde ein Lebewesen wäre? Weiß die Kreatur von der Existenz der “Parasiten”, die auf ihr Leben? Und was passiert, wenn man die Kreatur weckt? Nachzulesen ist dies in der 1928 erschienen Kurzgeschichte “When the World Screamed”.

Science seeks knowledge. Let the knowledge lead us where it will, we still must seek it. To know once for all what we are, why we are, where we are, is that not in itself the greatest of all human aspirations?

 

→ 1 KommentarKategorien: F · Klassiker · Sir Arthur Conan Doyle