Archiv der Kategorie: wahre Geschichte

Die Süddeutsche redet nicht mit Berlinern

Mit Radio errreicht man immer die Richtigen. Vielleicht ja auch mit Bücherknabbern? Auf dem herkömmlichen Weg – nämlich über das Kundencenter – erreicht man die Süddeutsche Zeitung jedenfalls nicht.

Nicht nur auf ihrer Internetseite, sondern auch auf der Straße wirbt die Süddeutsche Zeitung großspurig mit ihrem „14 Tage kostenlos lesen“ – Abo. Blöd nur, wenn dann jemand wirklich dieses Angebot annimmt und dreisterweise 12 kostenlose Zeitungen haben will.

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Loïc Wacquant „Leben für den Ring – Boxen im amerikanischen Ghetto“

Der Boxsport spielt in Loïc Wacquants Doktorarbeit, die sich mit den Strukturen des amerikanischen Ghettos beschäftigt, eine wichtige Rolle. Wacquant wurde 1960 in Frankreich geboren und arbeitet zur Zeit als Professor für Soziologie an der University of California in Berkeley.
1988 trat er in den Woodlawn Boys Club ein. Dieser befand sich in einem Teil Chicagos, der hauptsächlich von Afroamerikanern bewohnt wird. Im gym – der Boxhalle – war er der einzige Weiße. Drei Jahre lang trainierte er wöchentlich zwischen drei- und sechsmal und überlegte zwischenzeitlich seine Akademikerkarriere für den Boxsport aufzugeben. Was war für ihn so faszinierend am Boxen? Steckt womöglich mehr dahinter als bloße körperliche, athletische Aspekte, Kampf und Gewalt? 

Wacquant ist in der gym ein beobachtender Teilnehmer. Über 2000 Notizblätter fertigte er in seiner Zeit im Woodlawn Club an. Er beschreibt in dem Buch die Funktion des gym im Ghetto, die Menschen, die von der Boxkarriere träumen, die Boxkultur und seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse beim Training und bei seinem ersten großen Kampf um die Meisterschaft in Illinois. 

Auch für Menschen, die mit Boxen gar nichts am Hut haben (so wie ich), ist das Buch interessant und vor allem einfach zu lesen. Boxbegriffe werden erklärt und soziologische Vorkenntnisse sind auch nicht unbedingt nötig. Wacquant bietet aber einen neuen Blick auf die von Vorurteilen begleitete Boxkultur, die nach der Lektüre so nicht mehr aufrechterhalten werden können.

(F)

 

 

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Die Reise zum Horizont – Jürg Amann

Anja hatte ja bereits die wahre Geschichte des Flugzeugabsturzes einer Rugbymannschaft über den Anden gelesen. Ich wollte es mir auch immer mal vornehmen. Doch nun bekam ich die Gelegenheit eine Novelle zum gleichen Thema, als Leseprobe gesendet vom Haymon Verlag, zu lesen.

Das Buch ist eher ein Büchlein, also schnell verschlungen. Und es ist wirklich sehr verschlingenswert.

Berichtet wird aus der sicht eines namenlosen Überlebenden.

Die Erzählweise ist ziemlich nüchtern. Weder großartige Gefühlsausbrüche, noch pathetiche Sätze sind zu lesen. Es werden nur klare Fakten geschildert. Es gibt Tote, es ist kalt, Schnee überall und es gibt nichts mehr zu essen. Außer den Toten…
Und dennoch ist es so emotional und mitreißend. Vor dem geistigen Auge des Lesers sind die Schneemassen zu sehen, die Kälte zu fühlen. Man stellt sich selbst die Frage: Wie würde ich mich in der Situation verhalten? Welche Hoffnung hätte ich? Würde ich Menschen essen?

Der moralische Aspekt lässt den Leser so allein zurück wie die letzten Überlebenden. Man ist mit den eigenen Gedanken beschäftigt und trotzdem ganz bei der Geschichte.

In die Wildnis – Jon Krakauer

Viele kennen das Buch sicher unter dem Titel „Into the Wild“, einige vielleicht auch den gleichnamigen Film. Da ich das Buch aber auf deutsch gelesen habe, steht der Titel hier auch auf deutsch.

Erzählt wird die wahre Geschichte des Christopher McCandless. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass diese Geschichte nicht gut endet. Beziehungsweise man wird gleich auf den ersten paar Seiten mit seinem Tod konfrontiert. Gestorben ist er bei dem Versuch, einige Monate in der Wildnis zu überleben. Er hätte es sicher auch geschafft, hätte er nicht… Weiterlesen