Jules Verne „Five Weeks in a Balloon“

Wie der geneigte Leser dieses Blogs vielleicht schon weiß, mag ich Vernes Erzählungen. Nach langer Abstinenz habe ich mal wieder einen Roman von ihm gelesen und war erstaunlich schnell durch, obwohl der Erzählstil nicht dem einfachen von „Around the World in 80 Days“ entspricht, andererseits aber auch keine Kopie von „20.000 Leagues under the Sea“ ist.

„Five Weeks in a Balloon“ vereint Erdkunde mit Geschichte und Abenteuer und wenn man es genau nimmt, ist es ein Reisebericht.

Im 18. Jahrhundert drängten immer mehr Expeditionen nach Afrika, um den Kontinent geografisch zu erforschen, waren doch bisher nur Abschnitte bekannt aus Erzählungen von Seeleuten und Handelsreisenden. Der Nil, zentralafrikanische Seen oder die Westküste waren weitestgehend unbekannt.

Samuel Ferguson, ein Abenteurer, der schon alles gesehen und erlebt hat, macht sich mit seinem Diener Joe und seinem besten Freund Dick Kennedy auf, Afrika in seiner Ganzheit zu erkunden und zu durchqueren – von Sansibar nach Nordwesten. Reisegerät seiner Wahl ist, wie der Titel schon vermuten lässt, ein Heißluftballon.

80 Jahre nach der ersten bemannten Ballonfahrt veröffentlichte Jules Verne 1863 diesen Roman. Es war sein erster und sein zweiterfolgreichster überhaupt. Neben einer ausführlichen Geschichtsstunde über zahlreiche afrikanische Expeditionen (ihr Verlauf, ihre Dauer und ihr Ausgang), bietet Verne dem Leser einen Einblick in die artenreiche Flora und Fauna des Kontinents und seine vielen geologischen Gesichter.  Aus heutiger Sicht auch sehr interessant sind die Beschreibungen der einheimischen Stämme.  Die gesamte Rasse über einen Kamm gescherrt, werden durchweg als kriegerisch, unzivilisiert, barbarisch und als Affen bezeichnet.   Zur Untermauerung dieser Attribute gibt es exemplarische Episoden, die den Abenteurern wiederfahren. :-) Gleichzeitig sind sich unsere Protagonisten der Gefahr bewusst, die Fortschritt und Industrialisierung ab einem gewissen Punkt den Menschen und der Erde bringen und was mit dem reichen Kontinent geschehen wird, wenn die nach Reichtum und Macht strebenden europäischen Nationen immer mehr wollen. (Jedenfalls wird diese Idee kurz aufgegriffen, aber keineswegs ausgebaut oder wiederholt angesprochen.)

Wer sich für Abenteuer und Afrika interessiert und sich nicht zu schade ist, von zahlreichen nackten Zahlen auf seiner Lesereise begleiten zu lassen, dem ist das Buch wärmstens empfohlen.

(F)

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5 Gedanken zu „Jules Verne „Five Weeks in a Balloon“

  1. Kassiopaia sagt:

    Irgendwie wurden afrikanische Stämme wie auch die Ureinwohner Amerikas immer als unzivilisiert und kriegerisch beschrieben. Da gibt es bestimmt auch jede Menge Aufsätze drüber.
    Und irgendwie, weiß nicht warum, erinnert mich das an die Erzählung von Robinson Crusoe. Hm!

  2. F sagt:

    In der Tat wurde Robinson erwähnt, schließlich wurde er auf einer Reise nach Afrika von Piraten gefangen genommen. Ansonsten gibt es keine Berührungspunkte meiner Meinung nach. Komisch das dir dieses Buch in den Sinn kam.

  3. Burkhardt sagt:

    Damit ich keine Beitraege mehr verpasse habe ich vor ein paar Tagen mal einen RSS Reader installiert. Wo finde ich hier im Blog den die URL zum Feed ?

  4. F sagt:

    Ist jetzt verfügbar. Einfach zum Seitenende scrollen.

  5. […] Pencrofft sowie sein Adoptivsohn Herbert. Die Figurenkonstellation erinnert mich ein bisschen an Five Weeks in a Balloon. Dort gab es auch den allwissenden Gelehrten, der mit seinem Diener reiste sowie mit seinem treu […]

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