Andrej Kurkow „Der wahrhaftige Volkskontrolleur“

Und mit Verdruss dachte er an seine Schwäche von neulich, als er im Halbschlaf oder in einem anderen Bewusstseinszustand beinahe bedauert hatte, dass er seine Familie so fern zurückgelassen hatte, die er natürlich innig liebte, aber dennoch nicht so innig wie das Heimatland. Dabei war es doch ohne Zweifel klar, dass ein Mensch nur ein Heimatland, aber mehrere Familien haben konnte.

Die Geschichte vom Volkskontrolleur Pawel Aleksandrowitsch Dobrynin beginnt gleich auf der ersten Seite. Ohne vorheriges Drumherumgerede oder seitenlangen Landschaftsbeschreibungen. Dobrynin ist ein einfacher, naiver Russe, der nie zuvor aus seinem kleinen Heimatdorf herausgekommen ist. Ihm wird die Aufgabe zuteil das Vaterland auf die Durchführung der kommunistischen Grundlagen zu prüfen. Beim Tee mit dem Genossen Kalinin erfährt er sein Einsatzgebiet – der Norden. Ein Gebiet, in dem eine Stadt aus drei „Häusern“ besteht und fern von jeglichen Fabriken ist Dobrynin zunächst unklar, welche Aufgabe er hier erfüllen soll, bis sich Ereignisse zeigen, die einer wahren Kontrolle bedürfen.

Parallel zu dieser Geschichte verlaufen drei weitere. Zum einen die des  Schuldirektor Wasilij Wasiljewitsch Banow, der jeden Tag wehmütig vom Schuldach auf die sich verändernde Stadt schaut. Neben den Vorgaben des Narkompros, die an seiner Schule sowie an allen Schulen des Sowjetlandes durchgeführt werden müssen, versucht er die Mutter eines Schülers, wieder zum Träumen zu bringen und damit auch seine Träume zu bewahren.

Direktor Banow erinnerte sich an weit zurückliegende Zeiten, in denen es keinen Frieden gegeben hatte, und befeuchtete seine trockenen Lippen. Eine seltsame, aber vollkommen gerechtfertigte Frage kam ihm in den Sinn: Warum ist der Kampf interessanter als der Sieg? Sie blieb unbeantwortet wie ein klassisches altrömisches Paradoxon.

Der Künstler Mark Iwanow und sein Papagei Kusma touren gemeinsam durch das Land. Der Papagei trägt Gedichte vor und die Menschen lachen. Das ist es, was Iwanow mit seinen Auftritten erreichen möchte. Doch nun soll er Gedichte über die Revolution und den Kampf in sein Programm aufnehmen….

Dann wäre da noch der Engel, der aus dem Paradies kam, um einen gerechten Sowjetbürger zu finden. Denn bisher gibt es noch keinen Sowjetbürger im Paradies. Zusammen mit Desserteuren der Roten Armee, Kolchosbauern und später mit einem ganzen Dorf ist er auf der Suche nach dem Gerechten Land dem Stern Archipka folgend, bis dessen Licht in der achten Nacht für immer erlischt…

Zum Lesen dieses Buches habe ich sehr lange gebraucht. Die Geschichte ist sehr interessant und so lasen sich die ersten 100 – 150 Seiten flott. Zur Mitte hin fehlte jedoch die Spannung und das Weiterlesen zog sich bis zum Ende dahin. Es war aber keinereswegs so, dass ich das Buch weglegen wollte. Denn wie schon gesagt, hat mich das Buch  interessiert und ich wollte die Entwicklung der Figuren sehen und letztendlich auch erfahren, ob sie ihr Ziel erreichen.

Das Buch wurde mir vom Haymon Verlag zur Verfügung gestellt.

(F)

Advertisements
Getaggt mit ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: