Jules Verne: The Mysterious Island

The Mysterious Island, geschrieben 1865-69, ist ein Abenteuerroman, geschmückt mit Science Fiction und einem Inselgeheimnis á la Lost – mehr oder weniger. Anders als bei Lost überleben hier alle Beteiligten den Absturz aus der Luft. Gefährt von Cyrus Harding und seinen fünf Freunden + Hund war ein Heißluftballon, mit dem die Bürgerkriegsgefangenen aus Amerika flohen. Nach einem schweren Unwetter stürzten sie auf einer Insel ab, die für die nächsten Jahre ihr zu Hause werden soll.

Gedanken, die mir immer durch den Kopf gehen, wenn Menschen auf einsamen Inseln stranden, sind zum Beispiel „Wie putzen sich die Leute die Zähne?“, „Kriegen sie nicht Durchfall aufgrund der ungewohnten Nahrung?“.  Da diese Fragen wenig Spannung aufkommen lassen, sind sie auch in dieser castaway story noch nicht einmal am Rande Thema. Vielmehr wird auf der Insel gebastelt und gewerkelt was das Zeug hällt. Unsere fünf Helden bauen eine Schmiede, sind Maurer, Schneider, Töpfer und Tierhüter. Glücklicherweise gibt es auf der Insel alle Rohstoffe, die nötig sind, um eine Zivilisation entstehen zu lassen, so dass unsere fünf Freunde in kürzester Zeit (relativ betrachtet) eine Industrialisierung durchgemacht haben. Der Roman ist vollgepackt mit zur damaligen Zeit unglaublichen wissenschaftlichen Raffinessen. Aus heutiger Sicht sind sie banal oder sogar falsch. Ausführlich beschreibt Verne die Prozesse und Arbeitsschritte wie Harding und Co. ihre ersten Ziegel brennen, Dynamit herstellen, Erz weiterverarbeiten usw.

The Mysterious Island ist eine der wenigen Geschichten, die ich kenne, in der sexuelle Motive komplett außen vor sind. So führt kein Rumgeknutsche an völlig unpassenden Stellen zum Bruch der Geschichte. In dem einfachen Gesellschaftsmodell in dem die Schiffsbrüchigen leben, ist Loyalität die einzig feste Grundlage. Cyrus Harding, Ex – Ingenieur in General Grants Armee, als Anführer hällt den ganzen Laden zusammen. Mit ihm auf der Insel sind ihm treu ergeben sein Hund, sein schwarzer Diener Neb, der Reporter Gideon Spillet, der Seemann Jack Pencrofft sowie sein Adoptivsohn Herbert. Die Figurenkonstellation erinnert mich ein bisschen an Five Weeks in a Balloon. Dort gab es auch den allwissenden Gelehrten, der mit seinem Diener reiste sowie mit seinem treu ergebenen Freund (in diesem Fall Spillet). Hinzu kommen hier noch Pencrofft und Herbert, die jedoch die Freund – Rolle noch quantitativ untermauern. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Reise mit dem Ballon. Eine Verbindung haben die beiden Romane jedoch nicht. The Mysterious Island ist vielmehr ein crossover zu Twenty Thousand Leagues under the Sea und ein Sequel zu In Search of the Castaways.  Letztgenanntes habe ich selber auch noch nicht gelesen, man muss aber auch kein Kenner von Twenty Thousand… sein, um The Mysterious Island zu verstehen.

Fazit?

Trotz vieler aus heutiger Zeit falschen wissenschaftlichen Aspekten ist das Buch spannend zu lesen. Der / die Leser/in ist durch das Rätsel der Insel geködert. Dadurch kann man auch über die langen Beschreibungen der chemische Prozesse und Arbeitsschritte hinwegsehen. Inwieweit die Lösung den oder die Einzelne(n) befriedigt, muss jede(r) für sich entscheiden.

(F)

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