Michael Krüger: Einführung in die Geschichte der Leibeserziehung und des Sports, Teil 3: Leibesübungen im 20. Jahrhundert. Sport für alle

Da ich gerade meine Diplomarbeit schreibe, lese ich zur Zeit dieses und jenes  Buch über Sportgeschichte, speziell DDR – Sport. Aber was mir da untergekommen ist, ist verdammt schlecht. Ich gebe zu, ich habe nur 1 1/2 Kapitel dieses Buches gelesen und möchte daher keinesfalls über die anderen mit urteilen, aber das Kapitel „Körperkultur und Sport in der DDR“ überzeugte weniger durch differenzierte Aussagen und Genauigkeit als durch Plattitüden und schlicht und ergreifend falsche Informationen.

So kann man auf Seite 181 lesen:

Das Sportabzeichen der DDR, das mit der Verbschiedung des Jugendgesetzes von 1950 eingeführt wurde, lautete offziell „Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung des Friedens“; 1977 wurde es geändert in „Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat“.

Ein bisschen Recherche hätte dem Autor Herrn Krüger sicherlich gut getan. Vielleicht wäre ihm dann aufgefallen, dass die Umbenennung in „Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat“ schon 1956 geschah. Ups.

Mit der populistischen Aussage „Wehrerziehung gehörte zu den Inhalten des Schulsports…“ (S. 179) kann man wohl kaum den Erwartungen an ein gutes Lehr- / Sachbuch genügen. Zumal der Satz alleine im Raum steht, ohne jegliche Erläuterung. Fakt ist, das es ab dem Schuljahr 1951/52 die Aufnahme von Ordnungsübungen gab, die Einführung wehrsportlicher Übungen (Keulenziel- und -weitwurf, Orientierungslauf, Gepäckmarsch)  fand 1952 statt, sie wurden aber nach dem 17. Juni 1953 wieder aus dem Lehrplan gestrichen. Mit der systematischen Wehrerziehung begann man sowieso erst in den 1960er Jahren.

Was steht noch in dem Kapitel? Das übliche bla bla, was man über den DDR – Sport hören will und normalerweise in der Bild liest.

Wen es interessiert, die anderen Kapitel dieses Buches:

  • Die Anfänge des Sport in England (Sehr interessantes Thema. Ob auch in diesem Buch bleibt die Frage…)
  • Sport in Deutschland
  • Die Wiedereinsetzung der Olympischen Spiele in der Neuzeit (Auch interessant. Kann man sich mal mit beschäftigen.)
  • Die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen
  • Turnen und Sport in der Weimarer Republik: Vielfalt, Leistung und Zersplitterung (Der Sport in dieser Zeit war wirklich ein Spiegel der politischen und gesellschaftlichen Lage. Also gelungener Titel des Kapitels. Ob auch der Inhalt stimmt, muss ich nach dem DDR – Kapitel leider immer anzweifeln.)
  • Turnen und Sport im Nationalsozialismus: „Das Heranzüchten kerngesunder Körper“ (Auch super interessant. :-) )
  • Ein „neuer Weg“ im deutschen Sport
  • Körperkultur und Sport in der DDR
  • Resümee und Ausblick: Die Zukunft des Sports
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2 Gedanken zu „Michael Krüger: Einführung in die Geschichte der Leibeserziehung und des Sports, Teil 3: Leibesübungen im 20. Jahrhundert. Sport für alle

  1. Kassio sagt:

    Das Tragische ist ja, dass man das mit der Umbenennung und dem richtigen Datum dazu ja gar nicht weiß, wenn man sich nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt wie du. Also würde man wieder einmal mit falschen Informationen durch die Welt rennen.
    Die Themen hingegen sind doch ganz interessant. Ich kann aber durchaus nachvollziehen, dass du diese nicht mehr lesen willst.

  2. F sagt:

    Zum Thema Nationalsozialismus fand ich das Buch von Lorenz Pfeiffer „Turnunterricht im Dritten Reich – Erziehung für den Krieg?“ ganz interessant.

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