„Frankenstein“ von Mary Shelley

Kurze Inhaltsangabe aus den fünf Wörtern, die gefühlt auf jeder zweiten Seite vor kamen:

wretch, fiend, benevolence, melancholy, miserable.

Tja, was soll ich sagen? An dem Buch (214 Seiten) habe ich zwischen drei und vier Wochen gelesen. Ausschließlich in Zug und Bahn. Nun kann man natürlich sagen, dass Buch hat nie eine richtige Chance bekommen. Immer wurde es zwischen Tür und Angel gelesen, nie mehr als zehn Seiten am Stück. Andererseits muss ich sagen, dass Buch hat mich von Seite 1 an nie so gereizt, gefesselt, dass ich den Wunsch verspürte, ich muss jetzt wissen, wie es weiter geht und lesen, lesen, lesen.

Nach einem Drittel des Buch verspürte ich außerdem einen immer größer werdenden Hass auf das Monster. Ich fragte mich die ganze Zeit, ob es so sein sollte oder ob man nicht eher Antipathie gegenüber Frankenstein empfinden sollte, weil er doch so egoistisch und größenwahnsinnig war, mit Elementen zu spielen, denen er nicht Herr war. Ist er nicht das Monster? Und die arme erschaffene Kreatur. Hat niemanden was getan und wird geächtet aufgrund des Aussehens, dabei sucht es doch nur Liebe und Geborgenheit. Böse, böse oberflächliche Welt und bis heute hat sich nichts geändert.

Und wie gewinnt man am besten Liebe und Geborgenheit? Natürlich mit Rache, Wut und Hass. Nach der ungewollten Tötung des Bruders von Viktor folgt eine wohl durchdachte Vertuschung, indem er die Schuld der jungen Justine (eine gute Freundin Viktors, die für den „Mord“ gehängt wird) zuschiebt. Diese Handlungen stoßen selbstverständlich bei Viktor auf wenig Verständnis und beeinflussen maßgeblich seine Entscheidung gegen die Erschaffung einer „Lebensgefährtin“ für die Kreatur.

Und die Rachetour beginnt.

Als Frankenstein dann stirbt, bedauert es seinen Tod, aber nicht aus Reue, sondern aus Trauer um das verlorene Racheobjekt. Und genau da offenbart sich das wahre Monster in diesem Buch (meiner Meinung nach, will ja niemanden auf die Füße treten…).

Die Gründe, warum ich dieses Buch nicht leiden konnte, sind weniger stilistische als moralische. Ich halte absolut nichts von Rache und habe dafür null Verständnis. Rache kann niemals gerecht sein. Denn Rache befriedigt nur den Rächer, aber Gerechtigkeit ist für alle.

Amen.

(F)

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2 Gedanken zu „„Frankenstein“ von Mary Shelley

  1. Anj sagt:

    Ich habe das Buch nicht gelesen, aber ich denke, genau das was du ansprichst ist das Hauptthema des Buches. Inwiefern kann man noch Verständnis für das Monster aufbringen, inwieweit ist es gar nicht nicht selbst das Monster, inwiefern wurden seine Handlungen gar nicht von ihm selbst gesteuert, sondern ihm auferlegt.
    Ich hätte auch immer gedacht, dass das Monster dann letztlich gar als ein solches dasteht und sich die Rollen verkehren. Aber interessant zu hören, dass das doch gar nicht so eindeutig zu sein scheint.

  2. F sagt:

    Ich glaube, schon das es eindeutig ist. Es hängt stark von deinen eigenen Moralvorstellungen. Ich dekne nur , dass meine von der eigentlichen Intention der Autorin abweicht.
    Ich habe gerade noch mal drüber nachgedacht und bin immer noch der selben Meinung.
    Es ist jedoch ein interessantes und stets aktuelles Thema. Dabei fällt mir folgendes Zitat ein: „Doch mit hellsichtigem Adlerblick schaute Lenin Jahrzehnte voraus.“

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