Englischer Harem – Anthony McCarten


Auch wieder so ein Buch, das mir Schlaf, Vorlesungsaufmerksamkeit und viele Stunden geraubt hat, die ich eigentlich hätte arbeitsreicher verbringen müssen. Erst einmal angefangen, sträubt sich das Buch regelrecht, wieder zugeschlagen zu werden. Und ist man erst einmal drin in der Geschichte von Anthony McCarten (Ganz oder gar nicht), findet einen die Wirklichkeit so schnell nicht mehr.

Zunächst treibt einen das Ungewisse – was ist denn nun mit dem englischen Harem, wie kann so eine Ehe mit mehr als zwei Frauen funktionieren und überhaupt. Aber schlussendlich ist die Auflösung dessen nebensächlich, viel wichtiger sind die Geschichten drumherum um Liebe, Füereinanderdasein, Familienkonzepte und rassistische Exfreunde, latent rassistische Einstellungen, und wirklich berührende Geschichten, die einem die Tränen in die Augen treibt – vor Wut.

Anthony McCarten hat einen wunderbaren Erzählstl, und verfolgt fast jede auftauchende Person noch einmal einzeln. Wie als ob der Erzähler mal dieser, mal jener Person ein bisschen hinterherläuft. So webt sich ein immer enger werdendes Netz um das Geschehen und die LeserInnen gleich mit ein. Die Spannung hält bis zum Schluss und macht aus dem intelligenten Roman ein wirklich echt echt echt tolles Lesevergüngen.

(A.L.)

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3 Gedanken zu „Englischer Harem – Anthony McCarten

  1. Anj sagt:

    Hey, das klingt echt gut. So einen Verschlingelroman könnte ich jetzt auch gut gebrauchen. Schieb mal rüber! ^^

    Ist es nicht eigentlich schwieriger, in der Geschichte zu bleiben und richtig mitzufühlen, wenn die Perspektiven/Personen immer wechseln? Ich hatte damit bisher immer meine Probleme und mochte es, wenn die Perspektive die ganze Zeit über von einer Person ausgeht.

  2. Anika sagt:

    hm, also ich glaub, das war eher so, dass es eine_n universalen erzählerIn gab, der/die jeder neuen person ein bisschen „nachgelaufen“ ist und sie beobachtet hat.
    das mit den perspektivwechsel kenn ich aber auch…
    man muss sich auch drauf einlassen, auf das mit den personen…das ging mir ach bei einem buch mal so, dass mir das gerade überhaupt nicht gepasst hatte, dass da jetzt ein wechsel ist und ich mich so sehr gesträubt hab, dass ich die entsprechende person einfach übersprungen hab, bis meine lieblingsperson wiederkam … da muss man dann willensstark sein ;)

  3. Anj sagt:

    Aber schafft es so einE universaleR ErzählerIn überhaupt, dass sich eine Bindung zwischen LeserIn und ProtagonistIn aufbaut? Und das man mitfühlt? Bleibt da nicht immer eine gewisse Distanz?
    Wegen dieser Fragen liebe ich ja die Ich-Perspektive…

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