Das Ende des Alphabets – Charles Richardson

alphabet

„Dies ist eine unwahrscheinliche Geschichte.“

springt einem gleich der erste Satz von Richardsons kleinem Erstlingsjuwel ins Auge. Und wer weiterliest, wird innerhalb der nächsten Stunden nichts anderes tun. Versprochen.
„Wäre es anders oder wäre sie wenigstens erwünschter, hätte sie an einem Sonntagmorgen begonnen.“.

Dreißig Tage hat Ambrose Zephyr noch zu leben. Höchstens – wie ihm der Arzt unverblümt mitteilt.
Wie er diese verbringt, wohin er mit seiner Frau reist, welche Erinnerungsorte ihm so wichtig geblieben sind, dass er sie – alphabetisch geordnet – noch ein letztes Mal mit ihr sehen möchte, erzählen die wenigen Seiten.

Eigentlich war der Roman nur als Geschenk an eine einzige gedacht: Charles Scott Richardson hat das Manuskript dieses Buchs seiner Frau zum Geburtstag geschenkt.
So liest es sich auch: Wie eine Ode an die eigene Liebesgeschichte, an verzaubernde Erinnerungen und das Festhaltenwollen für immer.

„Wir sind zu Hause, kochen für Freunde, überlegen, welchen Film wir uns ansehen, suchen uns ein Buch aus, mit dem wir uns aufs Sofa fläzen,, oder stehen auf der Türstufe und beobachten, was die lästige Katze mit den dämlichen Vögeln treibt.
Wir sind nicht hier. Das alles passiert uns gar nicht.“

Glücklicherweise hat das Manuskript den Weg zum Verlag gefunden und jetzt dürfen auch andere diese Liebesgeschicht in den Händen halten und daran teilhaben, wie die feingesponnene, leichte und langsame Fabel ihren Lauf nimmt und einen nach dem letzten Wort berührt zurücklässt.

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Wäre mein Gesundwerdenmittagsschlaf mir nicht in die Quere gekommen, hätte ich es in einem Zug durchgelesen. Denn nicht nur ist man sofort bei den beiden Hauptdarstellern mit auf Reise und hat den Duft von Italien in der Nase, es ist auch ein recht kurzes Buch – was mir pro näherkommender letzten Seite natürlich immer negativer aufgefallen ist. Ich hätte zu gern noch ein bisschen Zeit gehabt mit Ambrose und seiner Frau. Aber das ist wahrscheinlich genau die Bittersüße, die Lesevergnügen und Inhalt miteinander verbindet.

(A.L.)

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7 Gedanken zu „Das Ende des Alphabets – Charles Richardson

  1. […] wenn die zeit des schmerzvollen andiedeckestarrens und vorbei ist, gibt es eine kleine phase beim kranksein, die genießbar ist. das ist die, in der man den lavendel aus dem elterngarten durchs fenster riechen kann. die, in der man langsam wieder hoffnung schöpft, doch nicht so jung sterben zu müssen. in der man sich langsam mit zwei kissen und einem zusätzlich starken arm aufsetzt im bett, und am teegetränkten zwieback nuckelt. die, in der man langsam anfangen kann, in die bücher zu kriechen, die man mitgenommen hat im delierium. von seelenheilenden pferdebüchern, die mir früher vorgelesen wurden über sarah kuttners schreibergüsse bis hin zu literarischen kleinoden über das ende vom alphabet habe ich so einiges geschafft, zwischen mittagsschlaf und aufwachen und kartoffelbreiessen und einschlafen. und sie werden alle dort landen. den anfang mach das ende . […]

  2. Kassiopaia sagt:

    Und Ambrose hatte ja auch keine weitere Zeit. Deswegen ist das Buch warscheinlich auch so kurz. So kurz wie die Zeit, die ihm bleibt.

    Ich glaube, ich würde das Buch allein wegen den schönen Farben auf dem Cover kaufen. *g* Aber auch weil es anscheinend flott zu lesen ist. Das finde ich gut!

  3. Anika sagt:

    ja das cover ist sehr gut gewählt. das hat mich auch dazu veranlasst, es in die hand zu nehmen und im klappentext zu schmökern.

  4. Anj sagt:

    Ich fidne auch, dass das Buch sehr vielversprechend klingt, richtig schön. Aber ich wüsste trotzdem nicht, ob ich mich trauen würde, es zu lesen, denn ich glaube, ich bin bei so einer Ich-werde-bald-sterben-Problematik seeehr sensibel und wüsste nicht, ob mir das dann zu nahe gehen würde.
    Wie war denn das so, Ani? Kannst du ein bisschen was dazu sagen, oder würdest du dann zu viel verraten?

  5. F sagt:

    Kassio, das mit der Zeit wollte ich auch schreiben.

  6. Anika sagt:

    anj: ohne zuviel zu verraten: nein, es ist weder bedrückend, noch dramatisch zu nahe gehend. ich bin da auch immer etwas berührungsunfreundlich, aber das buch habe ich gut verdaut..

  7. Kassiopaia sagt:

    Ach F, wir sind schon zwei Seelenverwandte. ;)

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