John Katzenbach „Der Fotograf“

So begeistert ich von Katzenbachs „Patient“ war und so in Ordnung „Die Anstalt“ und „The Wrong Man“ („Das Opfer“) waren, so bescheuert war jetzt dieser Roman.

Doug Jeffers, preisgekrönter Fotograf, entführt die Literaturstudentin Anne Hampton, damit sie seine Taten mit Worten festhällt. Seine Biografie für die Nachwelt, so wünscht er. Annes einzige Chance ist Detective Mercedes Barren aus Miami, deren Nichte der Fotograf ebenfalls auf dem Gewissen hat …

Ich finde, dass sagt doch schon alles oder nicht?

Es war sicher gedacht, dass der Leser vor dem Buch sitzt und denkt: „Oh, nein wie schrecklich! Wie kann er nur! Wieso sieht denn das niemand?!“ Ich finde jedoch, dass Jeffers Taten irgendwann nicht mehr schrecklich sind, sondern sich nur als weitere Perlen in einer Kette einreihen. Es sind einfach zu viele und ich dachte mir: „Ja, okay er ist der Teufel persönlich, aber kann er jetzt nicht einfach sterben, denn er stirbt doch bestimmt in diesem grundamerikanischen Buch, dass endlich mal Schluss ist?!“ Vielleicht lag es auch daran, dass mein ganz persönlicher Gewalthöhepunkt schon nach fünfzig Seiten (oder so) erreicht war. Die kleinen „Folterszenen“ von Jeffers um Annes Willen zu brechen. Ich bilde mir ein, jetzt zu verstehen (obwohl ich es wahrscheinlich nie verstehen werde), warum Leute, die lange gefangen gehalten werden, nicht weglaufen können, obwohl sie die Chance dazu haben.  Es war da so „wunderschön“ beschrieben. Sie konnte es einfach nicht. Sie hatte Angst, dass er sie und die anderen Leute, die noch da waren, tötet, sie hatte Angst, dass sie nirgends hin kann und keiner ihr glaubt und sie hatte Angst ohne ihn.

Natürlich kommt auch dieses Buch typisch amerikanisch rüber (wie „The Wrong Man“) und Selbstjustiz ist nicht nur erwünscht, sondern auch erlaubt. Es war alles so anders bei „Der Patient“ und ich hätte danach kein anderes Buch von dem Herrn Katzenbach lesen sollen. Der Rest ist alles Mist und „Der Patient“ verliert irgendwie langsam an Glanz.

Was bleibt? Ein Roman der all zu schnell einfach nur noch nervt.

(F)

Advertisements

7 Gedanken zu „John Katzenbach „Der Fotograf“

  1. Jülie sagt:

    Ich war auch maximal begeistert von „Der Patient“ und hatte als zweites Buch von Katzenbach „Das Rätsel“ gelesen. Auch das ist nicht zu empfehlen, sondern eher langweilig und viel zu vorhersehbar. Wir hätten wohl wirklich nach dem Patienten aufhören sollen -.-

  2. Kassiopaia sagt:

    Hm, das gibt es ja öfter, dass die Folgebücher eines Autors die Erwartungen nicht mehr treffen.

    hast du dich dann eigentlich nur noch durchs Buch geschleppt oder es schnell gelesen, damit es endlich vorbei ist.

  3. F sagt:

    Der Fotograf bzw. The Traveller, wie es im Original hieß, ist 1987 erschienen. Der Patient erst sehr viel später. Man merkt beim Lesen jedoch nicht, dass das Buch schon so alt ist. Erst als mal von einer Zeitungsschlagzeile die Rede war, bin ich auf die Idee gekommen, dass das Buch schon etwas älter sein muss.

  4. F sagt:

    Ach ja, deine zweite Frage, ich habe mich durchs Buch geschleppt und versucht es schnell hinter mich zu bringen. Leider ist es sehr dick und ich wollte nach der Hälfte nciht aufhören, weil ich schon so viel Zeit investiert hatte. Wie bei „20.000 Leagues under the Sea“.

  5. Jülie sagt:

    Ich kann einmal angefangene Bücher leider nicht weglegen, sondern muss sie zu Ende lesen, auch wenn sie noch so schlecht sind. Das Rätsel war leider wirklich sehr öde und zeitraubend… Es ging also leider nicht schnell, sondern hat ziemlich lange gedauert.

  6. Anj sagt:

    Ui, sich durch Bücher schleppen, kenn ich. Man will es einfach nicht weglegen, wenn man es schon angefangen hat und manchmal will auch trotzdem einfach wissen, wie es wohl ausgeht, auch wenn es zwischendurch einfach nur anstrengend und blöd ist. Schade, dass das bei diesem Buch so war. Denn die Zusammenfassung klingt für mich doch ziemlich spannend. Zwar nicht unebdingt sehr tiefgrndig, aber eben als zweitweiliger Thriller gut geeignet.

  7. partikelfg sagt:

    Ich habe dieses Buch auch gelesen, allerdings nicht bis zu Ende. Die Art wie Katzenbach schreibt und wie sinnlos manchmal seine Zeitsprünge sind, haben mich einfach genervt. Schade, die Geschichte an sich wäre ja vielleicht nicht schlecht gewesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: