Julia Friedrichs – Gestatten: Elite

(Gastbeitrag von Frank)

Dieses Buch hab ich mir auf Grund eines Beitrags in einem sehr interessanten Blog gekauft. Der Begriff Elite erinnert mich immer an den Film „Die purpurnen Flüsse“ mit Jean Reno. Ein toller Schauspieler! Jedenfalls geht es in dem Film darum, dass in einer abgelegenen prestigeträchtigen Universität eine zukünftige Elite heran gezüchtet werden soll. Es wird Inzucht betrieben und versucht immer das beste Genmaterial weiter zu geben. Das erinnert
an Vorstellungen aus der Zeit des dritten Reichs, als auch davon ausgegangen wurde, dass sich Menschen in wertvoll und weniger wertvoll unterteilen lassen.

Erste Ansätze für eine Entwicklung in eben diese Richtung kann Julia Friedrichs auch auf ihren Reisen zu Bildungseinrichtungen, die sich als Elite betiteln, feststellen. Dabei geht es in dem Buch keinesfalls darum nachzuweisen, dass sich Deutschland wieder auf dem Weg zum Nationalsozialismus befindet. Viel mehr versucht die Autorin eine klare Vorstellung davon zu erlangen, was denn nun eigentlich unter Elite zu verstehen sei. Hierzu besucht sie Schulen, Universitäten und trifft sich mit Persönlichkeiten von Attac und Professoren die selbst die Elitebewegung untersuchen. Ihre Einstellung und Fragen, die sie im Buch aufwirft, sind vielleicht auch deswegen für mich so gut nachvollziehbar,
weil sie in einem ähnlichen Umfeld lebt, wie ich. Eltern aus der Mittelschicht, gerade am Studieren in Berlin, Ansichten die sich im politischen Spektrum wohl eher mitte/links ansiedeln lassen. Dennoch
entsteht am Ende des Buchs der Eindruck einer zumindest versucht objektiven Betrachtung.

Wie immer an dieser Stelle ein kleiner Einblick in den Anfang des Buchs. Der angenehme Schreibstil wird schon an dieser Stelle deutlich und wird zwischendurch mit vielen, vielen interessanten Fakten zum Thema Elite unterstützt:
„Die Elite trat in einem griechischen Luxushotel in mein Leben. Sie hieß Mario und war knapp dreißig, also nur wenig älter als ich. Außer demselben Geburtsjahrzehnt hatten wir nicht viel gemeinsam. Mario kannte solche Abende. Er trank, redete, lachte – gleichzeitig. Ohne innezuhalten. Er war makellos, ohne Selbstzweifel, siegessicher. Ich saß im Karo-Rock, der ständig verrutschte, neben ihm. An den Füßen Stiefel, die ich mir geliehen hatte.“

Ich hab das Buch in drei Tagen durchgelesen. Es ist spannend, informativ und gibt wenn schon nicht einen anderen, so doch zumindest einen erweiterten Blickwinkel auf die, die als Elite tituliert werden oder sich selbst als solche bezeichnen.

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