Leif GW Persson „Mörderische Idylle“

„Danke , Lo, dass ich kommen durfte“, sagte Bäckström, faltete die Hände über seinem Schmerbauch und lächelte die drei Letztgenannten aufs Frömmste an. Drei Dussel in Hosen und einer in einer Art rosa Hemd. Verdammt praktisch, dass alle Dussel hier offenbar Bengt heißen, dachte er. „Jaaa“, sagte er dann und dehnte den Vokal, da er schließlich wusste, wo in solcher Gesellschaft die Daumenschrauben angezogen werden mussten. „Ich heiße also Evert Bäckström… aber alle meine Freunde nennen mich einfach Eve“, log Bäckström, der in seinem ganzen Leben keine richtigen Freunde gehabt hatte und schon in der Grundschule Bäckström genannt worden war.

Ja, Bäckström ist ein richtiges Herz und Persson hat eine verdammt erfrischende Erzählweise.

Linda – jung, frisch, beliebt und Polizeischülerin – wird in ihrer Wohnung vergewaltigt, gefoltert und ermordet. Und das im Sommer und in einem sonst ruhigen und kleinen Städtchen. Die Polizei bittet Stockholm um Hilfe und die schicken prompt ihren „besten“ Mann – Bäckström.

Für Bäckström gibt es nur Brüste, Bier und bumsen. Frauen haben mit 35 ihr allerhöchstes Haltbarkeitsdatum überschritten und generell ist niemand so klug wie er. Selber schon um die 50 und nicht gerade der Hübscheste könnte man denken, die Drecksau hat sich schon längst mal auf die Fresse gepackt mit seinem Verhalten. Aber nein, er ist der gebührte Schauspieler. Hier kommt auch die tolle Schreibweise Perssons ins Spiel. Mit einem ironischen Unterton beschreibt er die Polizeiarbeit und den Polizeiapparat ansich und in speziellen Bäckström. Es wird nämlich nicht nur berichtet, was er wie sagt und wie er sich verhällt, sondern auch immer gleich im Anschluss was er eigentlich denkt. Das ist nie was er sagt und in der Regel abwertend.

Das tröstet auch über die nicht so berauschende Story hinweg. Denn das Thema ist altbekannt und bietet wenig neue Ansatzpunkte.

Der deutsche Titel ist auch irgendwie wenig ansprechend und wie soll ich sagen typisch deutsch. Das Buch heißt im Original „Linda – som i Lindamordet“ und erschien 2005. 

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4 Gedanken zu „Leif GW Persson „Mörderische Idylle“

  1. Kassiopaia sagt:

    Mann, der Typ ist ja mal so richtig sympathisch! …

  2. Anj sagt:

    Hm, da käme wieder meine alte Frage auf, ob es eigentlich schön sit, ein Buch zu lesen, ebi dem ma den Hauptdarsteller für ein Arschloch hält und mit dem man sich so agr nicht identifizieren kann…

  3. Reiner sagt:

    Ich fand das Buch auch sehr amüsant, manchmal zum Schmunzeln. Was mir nicht gefallen hat waren die letzten 50 Seiten, wo es nur noch um die Verhöre ging.

  4. […] GW Persson “Die Profiteure” In ausgezeichneter Erinnerung ist mir noch “Mörderische Idylle” und daher zögerte ich nicht und lieh ein weiteres Buch vom Herrn Persson aus der Bibliothek […]

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