“Solange ich denken kann, habe ich Hämorrhoiden. Viele, viele Jahre habe ich gedacht, ich dürfte das keinem sagen.“
So fängt das vieldiskutierte und Medienwellenschlagende Buch von der sympathischen Frau Roche an. Der, die so wunderbar in dem Film “Eden” brillierte und die, die der BILD-Zeitung den Kampf ansagte. Das war wahrscheinlich für diesen Beitrag auch das letzte Positive, was hier zu lesen sein wird. Nein, stopp. Toll an diesem Buch ist das hervorgehobene Pflaster auf dem Cover. Da kann man mit den Fingern immer wieder drüber streichen und sich freuen, dass es sich ein bisschen echt anfühlt. Im Gegensatz zum Buchinhalt.
Die ersten Sätze ihres pinken Buches sind nicht eklig. Das sind aber auch die fast einzigen. Worum aber geht es hinter den ganzen ekligen schleimtropfenden, stinkenden Wörtern eigentlich?
Die 18-jährige Helen liegt im Krankenhaus. Sie hatte sich bei einer Pofaltenrasur genau am “Röschen” geschnitten und liegt jetzt in der inneren Abteilung. So. Das war die Handlung.
Der Rest sind möglichst absurd eklige, mit allen Tabus brechende Zurückerinner-Geschichten, die meiner Meinung einzig und allein das Ziel haben, die LeserInnen zu schocken und diskussionswürdigen Stoff zu bieten. Ich möchte aus Rücksichtsnahme auf eure Abendessen oder gerade in den Mund geschobenen Schokoriegel jetzt nichts aus dem Buch zitieren. Nur soviel: Ich musste immer mindestens eine Stunde vorm Essen aufhören, zu lesen, um überhaupt etwas essen zu können. Denn wenn man so liest, welche Körperflüssigkeiten und Hautheilungsprodukte Helen so in sich reinstopft, vermischt mit kulinarischen Jugendsünden und ganz viel Posex mit Hämorrhoiden, vergeht es einem ganz schnell.
Wenn die Geschichten wenigstens einen tieferen Sinn hätten. Wenn wenigstens nicht jede zweite klingen würde, als hätte Frau Roche einfach alle abgrundtief ekligsten Vorstellungen aus ihren finstersten Gedanken zusammengekratzt und die in einen Absatz gewürfelt – aber nein. Nicht mal das. Und realistisch? Nope. Wer malt sich schon regelmäßig seine innersten Genitalienschleimhäute bei bestem Bewusstsein mit Farbe an? Genau.
Schade, Charlotte. Das einzige, was nach “Feuchtgebiete” feucht wurde, waren meine Augen, weil ich nicht gedacht hätte, von Dir enttäuscht sein zu können. Weil ich nicht gedacht hätte, dass Du ein Buch schreibst, so krass aber inhaltslos wie möglich – nur um Geld mit dem durch die aufbrechenden Diskussionen angekurbelten Verkauf zu verdienen. Schade. Echt.
(Anika Lindtner)
9. April 2008 um 9:16 |
Das sind echt so Sachen, die man nicht wissen möchte. Mein Frühstück fährt gerade Fahrstuhl. Ich darf nicht immer so bildlich denken. Nein nein, ich darf nicht!
9. April 2008 um 11:06 |
tut mir leid, das mit dem Essen. Dabei wollte ich sowas ja eigentlich verhindern. Ist aber schwer, wenn man über dieses Buch redet…^^
9. April 2008 um 6:56 |
Oh, schade! Ich wollte es nächste Woche anfangen und bin jetzt hin und her gerissen *seufzer*
9. April 2008 um 9:23 |
Unverblümt und ungeniert, wortgewandt und witzig, temporeich und bildlich bekommt der Leser hier eine Geschmacks- und Geruchslektüre, die ihresgleichen sucht, ohne dass bislang jemand danach gesucht hätte!
10. April 2008 um 9:54 |
Oh je, dieses Buch würde ich in keinem Fall lesen. Ich find diese Mentaliät schlimm: Je ekliger und abstoßender und primitiver und versauter desto mehr Leute kann ich von ihren Hockern schubsen und (kurzweilig) begeistern.
Klappt aber auch nicht immer, wie man sieht. Ich bin schon allein durch die Beschreibung abgestoßen.
10. April 2008 um 11:41 |
Kassio, du bist einfach zu weich. Was Ani über das Buch geschrieben hat, finde ich nicht abstoßend, sondern einfach nur billig. Daher kann es mich auch in keinster Weise berühren.
10. April 2008 um 12:17 |
Und du bist einfach zu hart. Da ich dich aber kenne, weiß ich, dass du einen butterweichen kern hast. ^^
10. April 2008 um 5:16 |
Maria: Tus nicht… oder wenigstens nicht um die Essenszeiten herum. Und nicht, wenn Du mit einem sehr bildlichem Gedächtnis geschlagen bist….und naja…tus nicht^^
Anj: Also schlimm ist daran auch, dass mir eben immer wieder Bilder aus dem Buch in den Kopf kommen. zu den unpassendsten Momenten..bäh, sowas muss man echt nicht haben.
10. April 2008 um 6:05 |
Ja, mir reichen die Bilder, die ich aus deinem Eintrag gewinne. Bärks. Nee, sowas muss ich echt nicht lesen. Hast du es denn eigentlich zu Ende gelesen?
10. April 2008 um 8:58 |
Ich hatte ja überlegt. Aber als ich nach den ersten Zeilen probelesen im Dussmann schon Phantomschmerzen bekam, hab ich’s gelassen und frage mich seitdem, was bloß los ist, mit der jungen deutschen Literatur. Wenn aber mal jemand etwas schockierendes lesen will, kann ich Macht und Rebel von Matias Faldbakken empfehlen, der stellt einen nämlich tatsächlich auf die Probe beim lesen.
14. April 2008 um 6:12 |
Zum Glück habe ich für das Buch nichts bezahlt. Spannend war der Anfang, doch der ewige Zwang, so viel wie möglich schmuddelige Wörter einzubringen, hat einem bald mehr als nur die Laune verdorben.
14. April 2008 um 6:20 |
[...] Bücherknabbern: Feuchtgebiete – Charlotte Roche [...]
4. März 2009 um 1:11 |
[...] Buchveröffentlichungen vervolgen. Gerade, wenn die Fleischwunde langsam verheilt, die “Feuchtgebiete” in die Leseseelen der Lesenden geschlagen hat, hauen die Verlage nochmal drauf. Kürzlich [...]
7. März 2009 um 11:40 |
Das gibt’s ja bald als Theaterstück. Uraufführung am 22.03. (glaube ich) in Halle.
8. März 2009 um 2:38 |
Was??? Oh dear…